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Von: Daniel Wagner - Rapperswil - Sonntag, 16. April 2006 08:42¸www.linth24.ch
Am Karfreitag wurde auch in der Evangelisch-Reformierten Kirche Rapperswil der Kreuzigung Jesu gedacht. Unter der Leitung von David Bertschinger war die Passionsmusik des deutschen Komponisten Johann Georg Kühnhausen zu hören. Statt Applaus und Blumen gab es in Würdigung dieses besonderen christlichen Feiertages Glockengeläut zum Abschluss.
Eine selten gespielte Matthäus-Passion kam am Karfreitag, 14. April in der Evangelisch-Reformierten Kirche zur Aufführung. "Passio Christi secundum Mattheum" lautet das Werk des frühbarocken Komponisten Johann Georg Kühnhausen (gestorben 1714). Über den Komponisten und sein Wirken weiss man nur wenig. Die Passionsvertonung ist sein einziges Werk, welches bis in die Gegenwart erhalten geblieben ist.
Passionsgeschichte hautnah mitverfolgt
In der Aufführung unter der musikalischen Leitung von Kantor David Bertschinger übernahm Stefan A. Rankl vom Stadttheater St. Gallen die Partie des Evangelisten. Der Bassist Peter Mächler sang die Worte des Jesu. Kleinere Partien, sowie die Volkschöre wurden durch verschiedene Solistinnen und Solisten und von einem Vokalquartett gesanglich geprägt. Eine reich besetzte Continuogruppe mit Cembalo, Laute, Cello, Kontrabass und Martin-Ulrich Brunner am erst vor wenigen Monaten eingeweihten Orgelpositiv unterstützten die Vokalisten begleitend. Das Geschehen rund um den Märtyrertod von Jesus Christus wurde in einem rezitierenden Stil, halb sprechend, halb singend, vorgetragen. Dabei ging der Erzählton nie verloren. Den aufmerksamen und konzentriert zuhörenden Menschen war es möglich, das Geschehen aus jener Zeit aktiv und beinahe hautnah mitzuerleben.
Zwischen dem ersten und zweiten Teil dieser Passion erklang die 'Aria Sebaldina' mit Variantenfolgen in f-moll für Cembalo und Orgel. Das Werk 'Hexachordum Apolinis' des berühmten Nürnberger Komponisten Johann Pachelbel (1653 – 1707) war bereits zu seinen Lebzeiten weit verbreitet. Es hatte den guten Ruf des Musikers am meisten untermauert. Die Inszenierung wurde als gelungene Auflockerung und Abwechslung zur über eine Stunde dauernden, ernsten Passions-Inszenierung wahrgenommen.
Von Elementen der Improvisation geprägt
Für die Passionsmusik zum Karfreitag hatte Bertschinger ein Ad-hoc-Ensemble ins Leben gerufen. Dabei kamen dem Musiker natürlich sein Netzwerk und die Kontakte zu anderen Musikern zu Gute. "Es galt, für die Aufführung dieses ganz besonderen Werkes die dazu passenden Leute auf den Plan zu rufen." Bevor sich die Konzertliebhaber an diesem musikalischen Leckerbissen erfreuen durften, waren viele Stunden an Proben notwendig. Man sei, einschliesslich der Hautprobe, etwa acht Stunden zusammen gewesen, damit zu guter letzt alles wie am Schnürchen klappen würde. Die Matthäus-Passion sei, so Bertschinger, von improvisatorischen Elementen geprägt gewesen. "Je nach Art der Erzählung und Geschehen waren entweder dramatische instrumentale Einsätze oder eben nachdenklich stimmende Klänge gefragt, um den vorgetragenen Worten den nötigen Nachdruck zu verleihen und die Stimmung entsprechend zu verstärken. Dazu war der inspirierende Improvisationsgeist der einzelnen Musiker gefragt, zumal diese Art der Umsetzung in den ursprünglichen Noten nicht vorgegeben war."
Für einmal 'mussten' sich die Akteure auf der Bühne ohne Applaus, quasi durch die Hintertür, vom Publikum verabschieden. Musiker und die Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Rapperswil-Jona hatten in Bezug auf den stillen Charakter der Passionsmusik bewusst keinen Applaus gewünscht. Zum Abschluss dieser Besinnungsstunde erklang anstelle dessen vom Kirchturm herab eine der Glocken.
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