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Eine Sache der Zeit

"Als wäre der Tod eine Sache der Zeit.“
(Max Frisch, in Tagebuch 1946-1949, Pfannen-stiel)

Sterben muss jeder ganz alleine. Diese Schwelle übertritt nicht nur jeder, sondern auch jeder nur mit sich selbst. Er (und immer auch „sie“) kann niemanden mitnehmen, mit niemandem teilen (obwohl Massenselbstmordversuche, meist sektiererischer Art, wohl dies bezwecken) und schon gar nicht jemandem mitteilen, was er da „erlebt“. Dass man sogar den Tod erlebt und nicht „erstirbt“ zeigt schon, wie wenig der Tod in unsere Lebensvorstellung passt. Krankheit und Tod stören die Normalität, durchbrechen den Lebensrhythmus und stören unser Bild der Wirklichkeit. Eine Wirklichkeit, an der man sich krampfhaft festhält, die Sicherheit gibt und geben muss. Die aber auch vieles, was nicht Sicherheit ausstrahlt, ins Grenzgebiet zwischen ideeller und gewollter Wirklichkeit und scheinbarer Unsichtbarkeit drängt. Angst und Verleumdung sind ja alte Weggefährten, die in der Geschichte mit traurigem Erfolg, als Mittel die jeweilige Wirklichkeit zu gestalten, ihre Spur ziehen. Wir tragen sie in uns…

(Es gibt Menschen, die auch ihren persönlichen Gott in diesen engen Rahmen einer gesellschaftlichen Wirklichkeit pressen. Sie haben verlernt, etwas von ausserhalb zu erwarten, Gott auch wirklich mehr, nicht nur „mehr“ in einem wissenschaftlichen, geschweige denn in einem wirtschaftlichen Sinne, zuzutrauen. Sie glauben damit an ihren Gott und nicht den sich offenbarenden Gott, der die Grenze der Wirklichkeit der Menschen nur zu gern und immer wieder etwas ausweitet und den Blick nach innen und nach oben öffnet. Der sich lieber selbst verleumdet und der Angst das Vertrauen gegenüberstellt. Gott, der gerade mit Jesus Christus vom Rand her, bei den Kleinen und Armen beginnend, die Menschen neu anrührte und ihnen Liebe zusprach. Ein Gott also, der seine Göttlichkeit in seiner Menschlichkeit beweist…)

Aus dem Büchlein: Manchmal, die Geschichte einer Genesung