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Buchbesprechungen

Eric-Emanuel Schmitt
Oskar und die Dame in Rosa
Buchbeschreibung folgt... Prädikat: Sehr empfehlenswert

Aus der alten Site übernehmen wir einfach die alten Buchbesprechungen. Neuere werden folgen.

Joschka Fischer
Mein langer Lauf zu mir selbst

“Damit Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, bei der Lektüre keinem Irrtum unterliegen, möchte ich hier gleich zwei Dinge klarstellen: In diesem Buch wird nicht abstrakt räsoniert, sondern ausschliesslich über meine eigenen Erlebnisse und praktischen Erfahrungen berichtet”. So klärt Fischer ziemlich am Anfang seines Buches die Leserschaft auf. Was folgt ist die Geschichte eines schweren, behäbigen Mannes, der durch das Laufen nicht nur zu einer guten Figur kommt, sondern mehr Lebensqualität findet. Diese besteht darin, dass Fischer sich und seinen Körper wieder “gern” bekommt, stolz auf sich und seine Disziplin sein kann und vor allem einen effektiven Weg zur psychischen Hygiene in einem stressigen Alltag findet. Und wer wollte das nicht? Kritisch sei angemerkt: Laufen ist nicht alles, es mehr gehört mehr dazu um glücklich zu sein (vor allem lebendige Beziehungen). Die manchmal etwas derbe Sprache stösst eher ab und wird Menschen mit einem ähnlichen (Gewichts-)Problem vielleicht stören, wenn nicht gar abschrecken (vielleicht fühlt man sich aber auch verstanden...).

Kim Chernin/Renate Stendhal
Cecilia Bartoli

Mit gewaltiger Mimik singt sie auf der Bühne, klangschön gestaltet sie Musik, als ob sie auch Musik ist, weil sie auch Musik ist. Die Sängerin Cecilia Bartoli lebt in und für die Musik. Sie transportiert mit ihr Lebensfreude und Lebensintensität. Intensiv wird dabei nicht nur die Musik, die leidenschaftliche Hingabe an sie, sondern der Moment überhaupt erhält gestalterische, lebendige Kraft. Im Teil von Kim Chernin kommen aber auch andere “Töne” zum Klingen. Die lebensfrohe und lachende Sängerin kennt auch Scheu und Traurigkeit. Sie spricht von der Ahnung nicht alt werden zu können, eigentlich unbegründet - und dennoch ist diese Ahnung auch die Inspiration das Leben intensiv zu geniessen und zu gestalten - den Menschen schöne Klänge und Musik zu schenken.
“... ich möchte lieber einen Tag wie ein Löwe als hundert Jahre wie ein Schaf singen.”

Lance Armstrong
Tour des Lebens

Lance Armstrong, der mehrfache Sieger der Tour de France, erkrankte 1996 an Hodenkrebs. Bereits wüten mehrere Metastasen in Lunge und Gehirn. Lance Armstrong erzählt nun eine Geschichte, die von Niederlagen eines Kämpfers erzählt, von Durststrecken, der fehlenden Motivation noch weiter zu machen, seinen Alltag zu gestalten, sich zu engagieren. Lance Armstrong ist dabei sehr ehrlich. Er verschweigt nicht wie unangenehm er für seine Umwelt, seine Familie und seine Frau war. Wie sehr die Krankheit nicht nur seinen Körper, sondern auch seinen Charakter verändert, auch gestärkt hat.

Zwei Dinge sind zu bedenken. Erstens ist es ein durch und durch amerikanisches Buch. Eine Geschichte voller Emotionen und Tränen, die trotzdem leicht daher kommt. Immer knapp an der Oberflächlichkeit. Zum Glück gibt es Momente grosser Tiefe, zum Beispiel wenn Armstrong festhält was der Krebs weiterhin mit ihm zutun haben könnte: “Wir denken auch daran, dass es illusorisch ist zu behaupten ich hätte den Krebs besiegt. Die Medikamente haben den Krebs besiegt. Die Ärzte haben den Krebs besiegt. Ich habe ihn lediglich überlebt.”
Zweitens fuhr Armstrong danach wieder Rad und - gewann... Nicht immer finden Erkrankte Menschen (über Krebs hinaus) so schnell zum Erfolg zurück. Manchmal holt sie auch ihre wenig erfolgreiche oder ganz normale Vergangenheit wieder ein. Nicht jeder war vorher ein Winner!

“Ich bin absolut überzeugt, dass Krebs nicht eine Form des Todes ist. Ich definiere ihn lieber neu: Er ist ein Teil des Lebens.” Lance Armstrong


Herbert Kappauf, Walter M. Gallmeier
Nach der Diagnose Krebs - Leben ist eine AlternativeHg. von der Deutschen Krebshilfe, Verlag Herder, 2. Auflg. 2001

Aus dem Inhalt
Wesen, Ursache und Entstehung von Krebs (z.B. Warum habe ich diesen Krebs bekommen?; Umwelt und Krebs; Habe ich falsch gelebt?); Diagnostik in der Krebsmedizin; Krebstherapie in der Praxis; Krankheitsbewältigung und Leben mit der Krankheit (Psychoonkologie - der Mensch ist mehr als ein Körper; z.B. Warum gerade ich? Ich und die Welt: Beziehung hält gesünder, unkonventionelle Krebstherapie; Wenn die Krankheit trotzdem fortschreitet: Todkrank oder unheilbar lebendig?)

Kommentar
In kurzen Kapiteln schreiben die Autoren Ihr Buch - sehr zur Freude der Leser. Es kann so lexikonartig benutzt werden und gibt gute und schnelle Information. Ein weites Spektrum wird abgedeckt, d.h. die Autoren kennen “Ihre” Kranken und sprechen so die wichtigen und realen Fragen von Krebspatienten an. Die Weite der Themen schliesst aus, dass alles gesagt werden kann, aber das Buch ist (endlich) eines, das auch die Psychoonkologie genauso wie das Medizinische in den Blick nimmt. Es kann so Begleiter sein auf dem Weg mit, vor oder nach Krebs zu leben. Stefan Werner